Testbericht Elektroauto Mercedes E-Cell

Mit der A-Klasse E-Cell zeigt Mercedes den ersten Elektro-Pkw mit dem Stern auf der Haube, der in einer Kleinserie von 500 Fahrzeugen gebaut wird. Das Fahrzeug wird seit Sommer 2011 an 500 ausgewählte Kunden in mehreren europäischen Ländern vermietet. Auch die TIWAG-Netz AG hat seit kurzem 2 E-Cell’s im Einsatz.

Das E-Auto wird von einem 70 kW starken Elektromotor angetrieben und soll laut Hersteller eine Reichweite von über 200 Kilometer ermöglichen. Rein äußerlich ist die Elektro-A-Klasse kaum von ihren konventionell angetriebenen Geschwistern zu unterscheiden. Einzig die polarsilberfarbene Lackierung sowie der E-Cell-Schriftzug weisen die A-Klasse als E-Auto aus.

Elektro-A-Klasse mit 290 Nm Drehmoment

Die Mercedes-Benz A-Klasse E-Cell basiert auf der fünftürigen A-Klasse in der gehobenen Avantgarde-Ausstattung. Serienmäßig sind Bi-Xenon-Scheinwerfer, das Infotainment-System Command APS, ein aktiver Parkassistent sowie eine Klimaautomatik und Leichtmetallfelgen an Bord.
Als Antrieb dient ein bis zu 70 kW starker Elektromotor (Dauerleistung: 50 kW), der ein Drehmoment von 290 Nm bereit stellt. Er bezieht seine Energie aus zwei Lithium-Ionen-Batterien mit einem Energiegehalt von 36 kWh, die im Sandwich-Boden des Kleinwagens untergebracht sind. Dies soll die Energiespeicher bei einem Unfall schützen und den Fahrzeugschwerpunkt zu Gunsten eines agilen Fahrverhaltens absenken. Darüber hinaus ermöglicht die Unterbringung der Akkus im Fahrzeugboden ein unverändert großes Platzangebot. Die Mercedes A-Klasse E-Cell kann wie die normale A-Klasse mit einem Gepäckraumvolumen von 435 bis 1.370 Liter aufwarten. Ein spezielles Kühlsystem hält die beiden Li-Ionen-Akkus stets auf optimaler Betriebstemperatur.

In 14 Sekunden auf Tempo 100

Den Spurt von null auf 100 km/h bewältigt das Elektroauto in 14 Sekunden. Tritt der Fahrer das Gaspedal komplett durch, sorgt die Boostfunktion für vollen Leistungseinsatz und maximale Beschleunigung. Die Höchstgeschwindigkeit der A-Klasse E-Cell ist auf 150 km/h begrenzt.
Und die Ladezeiten? Nach acht Stunden an einer 230 Volt-Haushaltssteckdose respektive drei Stunden an einer 400 Volt-Ladestation soll die gespeicherte Energie für eine Strecke von 100 Kilometern ausreichen. Mit voll aufgeladenen Akkus soll die Mercedes A-Klasse E-Cell über 200 Kilometer weit kommen. Diese Reichweite lässt sich nach unseren ersten Erfahrungen aber nur unter optimalen Bedingungen erzielen.
Niedrige Außentemperaturen, Strecken mit längeren Steigungen, winterliche Straßenverhältnisse, höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten oder eine eher sportliche Fahrweise verkürzen die Reichweite deutlich. Wenig Einfluss auf den Verbrauch hat der Stopp-&-Go-Betrieb im Stau. Auffallend ist, dass bei tiefen Außentemperaturen der Energieinhalt auf den ersten Kilometern relativ schnell abnimmt, sich mit zunehmender Erwärmung des Fahrzeugs aber wieder stabilisiert.

Laden

Die Zeiten für eine Vollladung am 230 Volt-Netz sind relativ lang (14h). Mit einem 400 Volt Drehstromanschluss geht es deutlich flotter (7h). Dies ist besonders dann zu beachten, wenn man längere Anfahrtswege bei nur kurzer Aufenthaltsdauer hat. Hier gilt es im Vorfeld jedenfalls zu überlegen, ob der E-Cell die richtige Wahl ist. Auch das Mitführen eines Verlängerungskabels hat sich bewährt, da bei den meisten KFZ-Abstellplätzen keine Steckdosen verfügbar sind. Nachladen mit Drehstrom ist im Außenbereich kaum möglich, da meist die entsprechende Infrastruktur fehlt. Bei Einsatz des E-Cell‘s während der normal üblichen Arbeitszeiten ist das Vollladen der Batterie über Nacht aber allemal möglich.
Für ein intelligentes Lademangement sorgt das aus dem Smart Fortwo Electric Drive entliehene System namens Smartcharge Communication. Unter anderem tauscht es, sofern man das möchte, mit der benutzten Ladestation Informationen zum Stromvertrag des Fahrers aus und soll so eine einfache Abrechnung ermöglichen. Zudem kann der Fahrer den Ladevorgang aktiv steuern, um diesen beispielsweise in der Nacht zu starten, wenn die Stromkosten geringer sind. Für gesteigerten Komfort kann der Innenraum bereits vor Fahrtantritt auf die gewünschte Temperatur klimatisiert und der Ladevorgang per Smartphone oder PC jederzeit überwacht werden.
Während der Fahrt informiert eine Multifunktionsanzeige über Ladezustand der Batterien, verfügbare Antriebsleistung, zurückgelegte Distanz, Durchschnittsgeschwindigkeit, Verbrauch und Restreichweite. An die Stelle eines Drehzahlmessers tritt ein Zeigerinstrument, welches den Fahrer stets über die aktuell abgerufene Antriebsleistung sowie die Rekuperationsleistung informiert.

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