Der Weg des Stroms

Stromversorgung Ötztal Aktuell

Technische Möglichkeiten

Geplante Energiezukunft Ötztal

Der Weg des Stroms

Das Strom-Verteilernetz der TINETZ gliedert sich in Hochspannungsleitungen (110/220 kV), Mittelspannungsleitungen (30 kV) und Niederspannungsleitungen (0,4 kV). Es verbindet Kundenanlagen mit Kraftwerken und versorgt Städte, ländliche Gebiete, Industriezonen, Gewerbe und touristisch genutzte Regionen. In Umspannwerken wird der Strom mittels Transformatoren von Hochspannung auf Mittelspannung transformiert - z. B. von 110-kV-Hochspannung auf 30-kV-Mittelspannung.

Aktuelle Stromversorung im Ötztal

Die Anspeisung des örtlichen Mittelspannungs-Verteilernetzes, welches der Versorgung des mittleren und hinteren Talbereiches dient, bildet derzeit eine einsystemige 110-kV-Stichleitung (Einfach-Leitung), die vom Umspannwerk Ötztal ausgeht und bis zum Umspannwerk Sölden führt. Die Leitung wurde in mehreren Abschnitten ab Mitte der 60er errichtet.

Im Falle von geplanten Abschaltungen dieser 110-kV-Einfach-Leitung im Zuge betriebsnotwendiger Arbeiten und bei störungsbedingten Ausfällen, konnte bislang die Versorgung auch weitestgehend über das 25/30-kV-Mittelspannungs-Verteilernetz sichergestellt werden.

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Wegen der Entwicklung der Netzlast (Tourismus, Wärmepumpen, E-Mobilität etc.) sowie auch der Zunahme an dezentraler Einspeisung (Kleinwasserkraft, Photovoltaik etc.) reichen die Kapazitäten im Mittelspannungs-Verteilernetz hierfür zukünftig nicht mehr aus.

Es besteht das Erfordernis das Ötztal durch eine zusätzliche 110-kV-Anspeisung auf eine 110-kV-Zweifach-Anspeisung auszubauen, um die sichere Versorgung der Region auch für die nächsten Jahrzehnte gewährleisten zu können.

Die technischen Möglichkeiten

Das zusätzlich erforderliche 110-kV-Leitungssystem kann prinzipiell entweder als Freileitung oder als Erdkabel ausgeführt werden.

Beide Übertragungstechnologien haben Vor- und Nachteile und eine unterschiedliche Eignung für den Einsatz im jeweiligen Netzgebiet.

Kabel sind im Betrieb nicht direkt sichtbar und werden daher mit weniger Beeinträchtigung des Lebensraums assoziiert. Dabei wird oftmals der höhere Eingriff in den Naturraum in der Bauphase und langfristig in die raumordnerischen Belange außer Acht gelassen. Zudem sind Kabelanlagen im alpinen Raum in der Trassenwahl stark eingeschränkt. Felsiges und steiles Gelände, Schluchten und Wildbachbereiche, geologisch instabile Abschnitte und dergleichen sind für eine langfristig sichere Legung von Kabeln nur sehr bedingt bis gar nicht geeignet. Technisch umsetzbare Kabeltrassen im Talboden binden Flächen über Jahrzehnte, da eine Überbauung nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist. Insbesondere hinsichtlich Naturgefahren wie Lawinen und Windwürfen erweisen sich Kabelanlagen jedoch weniger anfällig als Freileitungen.

Freileitungen sind für alpines Gelände außerhalb von raumordnerisch wertvollen Flächen gut geeignet. Technisch sichere Maststandorte zu finden ist prinzipiell auch in extremen alpinen Lagen möglich. Die Beeinflussung des Bodens ist nur im unmittelbaren Bereich um die Mastfundamente gegeben. Einzelner Bewuchs der sich im Verlauf der Freileitungstrasse befindet, kann überspannt, zurückgeschnitten und nur dann entfernt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Bei geeigneter Höhe der Leitung bleiben die von den Seilen überspannten Bereiche weiterhin nahezu uneingeschränkt nutzbar. Eine Verringerung der Fernwirkung wird z.B. durch dunkel gefärbte Seile, an den Hintergrund (i.d.R. Wald) angepasste Farbgebung der Maste und Optimierung der Masthöhen- und Standorte erreicht. Einige wesentliche Aspekte, die für einen Einsatz einer Freileitung sprechen sind:

  • Einfache Inspektionsmöglichkeit bzw. mögliche Fehler-/Störungsvermeidung im Vorfeld
  • Aufwändige Fehlerortung bei Kabeln
  • Verfügbarkeit von geeignetem Montage-Personal (Leitungsmonteure der TINETZ mit großer Erfahrung im Freileitungsbau) und Reparaturmaterial (Kabel erfordern zusätzliche Lagerhaltung)
  • Möglichkeit zur Herstellung von Provisorien zur Überbrückung einer Fehler- bzw. Arbeitsstelle
  • daraus resultierende Reparaturdauer
  • steigendes Ausfallsrisiko mit jedem zusätzlichen Übergang von Freileitung auf Kabel
  • Vermeidung von notwendigen Maßnahmen im Netz hervorgerufen durch den übermäßigen Anstieg des Erdschlussreststromes durch Kabel (konstruktionsbedingt wird mit dem Zubau von Kabeln die sogenannte Löschgrenze (betriebliche Grenze) eher erreicht)

Geplante Energiezukunft im Ötztal

Auf Grund der besseren Versorgungszuverlässigkeit von Freileitungen im Vergleich zu Kabeln besteht aus netzbetrieblicher Betrachtung die Mindestanforderung ein Leitungssystem als Freileitung auszuführen. Für das Ötztal ergeben sich somit folgenden Optionen:

1. Errichtung einer 110-kV-Zweifach-Freileitung und Abbau der bestehenden Einfach-Freileitung

2. Erweiterung der bestehenden 110-kV-Einfach-Freileitung um eine zusätzliche Einfach-Freileitung (diese Variante wurde nicht im Detail weiterverfolgt) und Nutzung der Restlebensdauer der Bestandsanlage von ca. 40 Jahren

3. Erweiterung der bestehenden 110-kV-Einfach-Freileitung um eine Kabelanlage und Nutzung der Restlebensdauer der Bestandsanlage von ca. 40 Jahren