19.11.2025

Der Ersatzneubau der 110-kV-Leitung

Mit dem Vorhaben Energiezukunft Ötztal modernisiert die TINETZ die bestehende Hochspannungsleitung zwischen den Umspannwerken Ötztal (Gemeinde Haiming) und Sölden. Ziel ist eine sichere, leistungsfähige und nachhaltige Stromversorgung für das gesamte Tal – im Einklang mit Mensch, Natur und Raumordnung.

Versorgungssicherheit für Generationen

Die bestehende Leitung stammt aus den 1960er-Jahren und ist technisch weiterhin funktionsfähig. Ihre Übertragungskapazität reicht jedoch nicht mehr aus, um den steigenden Anforderungen an das Stromnetz gerecht zu werden. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die zunehmende Elektromobilität und das wachsende Energiebedürfnis in der Region wird künftig deutlich mehr Leistung benötigt, als die bestehende Leitung übertragen kann. Der Ersatzneubau als sogenannte Doppelfreileitung ermöglicht eine deutlich höhere Übertragungskapazität und sorgt für eine langfristig stabile und zukunftssichere Stromversorgung.

Warum eine Doppelfreileitung?

Im gesamten Planungsgebiet hat die TINETZ verschiedene Varianten geprüft – darunter auch Mischformen aus Freileitungen und Erdkabeln. Das Ergebnis ist klar: Eine Doppelfreileitung ist die technisch, ökologisch und betrieblich sinnvollste Lösung.

Die wichtigsten Gründe dafür:

  • Hohe Versorgungssicherheit: Bei Naturereignissen wie Lawinen oder Sturm bleibt eine Freileitung grundsätzlich zugänglich und kann notfalls schnell repariert werden – ein großer Vorteil im alpinen Gelände.
  • Weniger Belastung für bewohnte Gebiete: Durch die neue Leitungsführung wird die bestehende 110kV-Stromleitung aus bewohnten Bereichen entfernt. Der Talboden wird weitgehend freigehalten – das schafft Platz für zukünftige Entwicklungen und entlastet den Raum.
  • Angepasste Einbindung in die Landschaft: Die Masten werden, wo möglich, entlang bewaldeter Hangabschnitte errichtet. So fügt sich die Leitung besser in die Landschaft ein und ist weniger sichtbar.
  • Einfache Wartung und umweltschonender Betrieb: Freileitungen können regelmäßig überprüft und gewartet werden, ohne große Erdarbeiten oder Eingriffe in Land und Boden.
  • Schonung von Flächen und Eigentum: Eine Doppelfreileitung bindet deutlich weniger Fläche als eine Kabeltrasse im Talboden. Dadurch bleiben landwirtschaftliche und bebaubare Bereiche weitgehend erhalten.

Warum kein Erdkabel?

Neben der Doppelfreileitung wurde auch die Alternative einer kombinierten Lösung frühzeitig geprüft – also der Weiterbetrieb der bestehenden Freileitung gemeinsam mit einem ergänzenden Erdkabel. Diese Variante hätte die erforderliche Übertragungskapazität grundsätzlich ermöglicht, wäre jedoch nicht durchgehend umsetzbar gewesen.

  • Ein Erdkabel von Haiming bis Sölden kann aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht durchgehend umgesetzt werden.
  • Die kombinierte Lösung hätte daher abschnittsweise zwei Freileitungen erfordert – mit deutlich höherem technischem Aufwand und ökologische Auswirkungen.
  • Ein Erdkabel müsste überwiegend im Talboden verlaufen und würde dort stärker in Natur und Eigentum eingreifen.
  • Eine Erdkabeltrasse ist mehrere Meter breit, darf nicht überbaut werden und muss dauerhaft frei von tief wurzelnden Pflanzen bleiben. Dadurch würden landwirtschaftlich nutzbare Flächen langfristig eingeschränkt und Bebauungen verunmöglicht.
  • Ein Erdkabelsystem ist technisch aufwendiger als eine Freileitung und benötigt im Störungsfall eine deutlich längere Reparaturzeit.
  • Außerdem würde die bestehende Freileitung nicht abgebaut werden – eine Entlastung des Siedlungsraums wäre somit nicht möglich.

Ein Projekt im Einklang mit Mensch und Natur

Der Ersatzneubau der 110-kV-Doppelfreileitung zwischen Haiming und Sölden verbindet Sicherheit und Nachhaltigkeit. Er stärkt die regionale Stromversorgung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiezukunft Tirols – zuverlässig, umweltbewusst und zukunftsorientiert.